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Freitag, 4. Januar 2013



Hallo ihr Lieben,
Anfang Dezember, als das Wetter so richtig schön schlecht war, hatte wir in wenig Zeit und wollten noch weitere Teile des Parks erkunden. Der Plan war nach Pumalin West zu fahren und dort die Wasserfälle und den Gletscher zu erforschen.
Soweit der Plan…
Morgens um 7 ging es mit gepackten Rucksäcken los über die Careterra Autral. Rodrigo (einer der Bosse) nahm uns mit und lieferte uns an dem ersten Weg ab. Kaum ausgestiegen peitschte uns der Wind den Regen ins Gesicht. Schon nach gefühlten 20 Metern war alles durchnässt. Ich habe selten solch einen Regen erlebt. Der Weg führte uns durch grünes Dickicht, überall tropfte es von den Blättern. Die Zweige, schwer vom Wasser, hingen tief in den Weg hinein. Über eine schaukelnde Holzbrücke überquerten wir den strömend, reißenden Fluss. Der ganze weitere Weg glich mehr einem Bach. Mit unseren schweren Regenklamotten kämpften wir uns durch en Sumpf, steil bergauf. Immer wieder funkelten uns grelle rote Blüten, inmitten des tiefen Grüns auf. Die Blumen heißen Estrellita oder Botellita und schlängeln sich als Kletterpflanzen die Bäume empor. Wenn man ganz genau hingeschaut hat, konnte man auf dem Weg vereinzelte Orchideen finden. Der Pfad orientierte sich immer an dem Fluss, der steil den Berg hinabfiel und durch den starken Regen sehr viel Wasser, teilweise zu viel, sodass Wege und Brücken überspült waren. Nach ca. 1 h gelangten wir an den ersten Wasserfall. Ich weiß nicht, aber ich hab bis jetzt bei jedem Wasserfall gedacht, das ist jetzt aber der schönste, den ich je gesehen habe. Aber dieser hier, er war wirklich der Schönste. Der Weg war etwas oberhalb. Man konnte aber an glitschigen, mit Moos überwachsenen Leitern hinabklettern. Insgesamt  4 Leitern und als ich die letzte hinabkletterte, konnte ich immer noch nichts sehen. Nur das Rauschen. Ein nasser Holzbalken führte mich zu einem großen, flachen Stein, inmitten des Flusses und nun konnte ich den Wasserfall sehen. Es war wunderschön. Tief im feuchten grünen Wald, ganz verlassen und unentdeckt wirkte er. Es war wirklich wie in Filmen. Eine Art Lagune, in die das Wasser hinabstürzte, umgeben von hohen grünen, von Nalcas und Farnen bedeckten Wänden. Der Wasserdampf besprenkelte unsere Gesichter. Es waren wunderschöne Augenblicke der Ruhe, des Staunens vor der einfachen, unberührten Natur. Wie weh einem das Herz da tut, wenn man bedenkt, dass es auf dieser Welt noch viel mehre solcher Orte gegeben hat, bevor der Mensch sie zerstört und besiedelt hat. Welch ein Glück, dass es Menschen wie Douglas Tompkins gibt, die nicht egoistisch nur an ihr Eigenwohl denken, sondern sich für etwas Größeres einsetzten. Hierbei ein kleiner Anhang…Wer Lust hat, kann sich gerne mal diese Seite anschauen und sich darüber informieren, für was ich hier arbeite. Außerdem solltet ihr wissen, was ‚Patagonien sin represas‘ bedeutet. Represas sind die Staudämme und diese plant die Regierung in Patagonien zu bauen. Unglaublich, dass es Menschen gibt, die überhaupt auf die Idee kommen, die Flüsse Patagoniens trocken zu legen um dafür Energie zu gewinnen, mit welcher sie die Natur im Norden durch Minen noch weiter verschandeln können.
Alles in allem haben wir an diesem verregneten Tag noch 2 weitere Wasserfälle, viele Alerce Bäume und mehr gesehen. Unser Plan, eine Nacht zu campen und am nächsten Tag eine größere Strecke zum Gletscher zu unternehmen viel dann leider aber wirklich ins Wasser. Das Wetter für den nächsten Tag war noch schlechter angesagt, mit Sturm, sodass wir unsere Pläne verschieben mussten.  Und es war die richtige Entscheidung, denn der Sturm am nächsten Tag war richtig stark, sodass sogar der Strom mal wieder ausfiel.
Anbei noch ein paar Bilder meiner Reise von Santiago, wieder zurück in den Süden. Da es keine Tickets mehr für den direkten Weg gab, haben wir einen kleinen Abstecher über die Insel Chiloé machen müssen und von dort mit dem Boot nach Chaitén. Ich war zwar fast 30 Stunden unterwegs aber dafür hat es sich gelohnt….




Corcovado beim Sonnenaufgang

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