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Donnerstag, 29. November 2012

Montag, 26. November 2012

Auf der Suche nach verlassenen Schönheiten



Es kommt mir alles eher vor wie ein Film. Verloren im Dschungel auf der Suche nach verlassenen Traumoasen. Nur spiele ich hier die Hauptrolle und alles ist echt. Der heutige Tag war wirklich unglaublich, auch wenn ich jetzt total fertig bin. Wir starteten gemütlich nach dem Frühstück so um 12 und fuhren mit dem Auto bis an die Stelle, wo der Zustieg noch am leichtesten war. Wir liefen über die saftigen Wiesen, schreckten die Vögel auf und genossen die letzten  Sonnenstrahlen. Dann gelangten wir an den Waldrand und sahen eine große, grüne Mauer sich vor uns aufzäumen. Und dann ging es los…
Ich weiß nicht, wie ich das in Worte fassen soll. Es ist einfach so unglaublich schön gewesen, auch wenn man sich nur selten aufrichten kann. Ich weiß jetzt auch, warum die Evolution den Aufrechten Gang erst mit der Entstehung von Savannen hervorgebracht hat, denn im Wald ( also in einem richtigen Wald, nicht sowas wie bei uns in Deutschland) ist der Aufrechte Gang einfach total unnütz. Auf allen Vieren und mit Mancheten ausgerüstet ging es also durch die grüne Mauer. Zu Beginn war es noch etwas lichter und heller, doch je weiter wir in das grüne Etwas vorstießen, desto unglaublicher wurde es. Überall hingen Lianen von den Bäumen, ab und wann verzierten bunte Blumen die Äste und Stämme. Der Boden gepolstert mit grünem Moos und die Ohren verzaubert mit fremden Vogelgesängen.  Von Zeit zu Zeit ging es durch ein Meer von Farnen, dann wieder auf allen Vieren und dann auf umgefallenen Baumstämmen über kleinere Schluchten und Teiche.  Einen etwas kleineren Fluss haben wir auf einem Gewirr von Ästen und Moos überquert. Nur war es leider etwas schwierig, zu sagen wo jetzt wirklich auch Äste darunter sind und wo nur Moos ist. Unter einem das Rauschen des Flusses und unter den Füßen nur ein Geflecht aus dünnen Ästchen. Ich war froh, nachdem ich mehrmals Moos und Ast verwechselt hatte und durchgebrochen war, endlich auf der anderen Seite mich an Lianen an das rettende Ufer ziehen zu können. Wir kletterten also weiter über die Baumstämme und durch die Büsche, bis wir endlich den Fluss erreichten. Von hier an hieß es ‚nur‘ noch dem Fluss zu folgen. Eigentlich dachten wir, dass wir bestimmt einer der wenigen Leute sind, die das hier je gesehen hatten und so waren wir dann doch sehr überrascht, als wir plötzlich auf so etwas wie ein Pfad stießen. Er war schon sehr zugewuchert aber es war eindeutig Macheten Spuren überall zu erkennen. Von hier an ging es dann etwas leichter voran. Mit der Zeit wurde dann das Rauschen immer lauter. Als wir uns dann nach ca. 1 ½ Stunden endlich wieder aufrichten konnten staunten wir nicht schlecht. Wir hatten den Wasserfall gefunden. Und was für einen! Vor uns erstreckte sich ein großes Loch im Boden, in dieses das Wasser hinabstürzte. Ich war wirklich etwas sprachlos, ich hatte mir einfach so einen ganz normalen Wasserfall vorgestellt, aber das hier war schon ziemlich abgefahren. Unglaublich war auch, dass wir auch hier weitere Überreste von einem Weg fanden, die Steilhänge  waren mit Holzäunen abgesichert. Das war wirklich komisch, so verlassen und abgelegen und doch schon wieder Menschen. Aber ich mag das gerne, mir dazu die Geschichten zu überlegen, wer wohl hier war und wer das hier gebaut hat. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass in den 1960 er Jahren die Leute hier einen Weg durchgeschlagen hatten, um mit ihren Pferden ins nächste Dorf zu gelangen.  Nachdem wir einige Zeit am Wasserfall verbracht hatten, hatten wir beschlossen diesem Pfad noch etwas zu folgen um zu sehen, wo er wohl hinführt. Aus diesem etwas folgen wurden dann weitere 4 Stunden in denen wir uns durchs Unterholz kämpften. Am Anfang war der Pfad richtig gut aber mit der Zeit wurde er immer dichter. Nur irgendwann hatten wir nicht mehr das Ziel umkehren sondern wollten auf einen Weg, den wir kannten, weil wir dachten es sei näher. Na ja war es wohl nicht aber das wussten wir eben auch nicht so genau, denn sich im einem Wirrwarr aus Geäst zu orientieren ist nicht gerade leicht. Irgendwann waren wir richtig müde und unsere Füße, Arme und Gesichter waren schrecklich zerkratzt. Vor allem auch weil wir des Öfteren mit den Füßen durch das Geäst gebrochen sind.  Irgendwie hatten wir dann auch den Weg verloren und kämpften uns wieder etwas orientierungslos durch das Unterholz. Immer wieder vor und zurück auf der Suche nach einem Durchkommen. Es ging wieder durch die Büsche, Farne, an Baumstämmen hoch und runter  und über Schluchten.  Irgendwann gelangten wir dann an eine größere Schlucht und ließen schon die Köpfe sinken, denn dies hätte einen langen Umweg bedeutet, als wir eine Brücke erblickten. Wir staunten wieder nicht schlecht! Wir hatten also den Weg wieder gefunden! Nach einer kurzen Inspektion erklärten wir die Brücke für stabil. Sie war aus Holz und hatte sogar auf einer Seite ein Geländer. Sie sah nicht so aus, als wäre sie sehr alt (wir haben dann auch erfahren, dass vor ca. 10 Jahren ein paar Leute versucht hatten den Weg zu restaurieren). So ganz sicher waren wir uns aber nicht, denn es gab nur einen Pfosten in der Mitte und dieser war überwuchert mit Moos. Einer nach dem anderen wagte sich über die Brücke und sie war wirklich stabil und hat gehalten. Die Brücke hatte unsere Gemüter ein wenig aufgeheitert und ließ uns optimistisch weiterlaufen. Doch es wurde immer schlimmer. Wir verloren wieder den Pfad und auf ein Neues ging es Stunde über Stunde durch das Unterholz. Während ich mich da so durch das Gemüse kämpfte musste ich an die Erzählungen von meiner Oma und meinem Opa denken. Mein Opa war früher viel in Kanada in den Wäldern unterwegs. Auf einer Reise wurde er von meiner Oma begleitet. Als mein Opa sie fragte, was sie dann denn ganzen Tag da im Wald machen will, während er jagt, sagte sie: „ Ach ich werde ein wenig spazieren gehen und mir die Wälder anschauen“. Daraufhin meinte mein Opa nur, dass man in diesen Wäldern nicht spazieren gehen kann. Dort kann man nur sich Meter für Meter vorwärts kämpfen. Und genau das tat ich.
Als wir dann endlich auf bekanntes Terrain stießen war ich doch heilfroh. Total fertig schüttelte ich dannl den halben Wald aus Schuhen und Klamotten und wir machten uns auf den Weg zum Auto (1 Stunde). Insgesamt hatte uns der Wald 5 Stunden lang verschluckt und danach wieder in die Zivilisation ausgespuckt.  Es ist ein tolles Gefühl verschluckt zu werden.
 



Donnerstag, 15. November 2012



Unser gelungener/misslungener Ausflug zum Gletscher

Nach 3 Tagen Dauerregen klarte der Himmel endlich mal wieder auf und wir wollten die Gelegenheit nicht verstreichen lassen und so machten wir uns auf den Weg zum Gletscher mit einem Wissen, das wir einfach Verdrängten.
Der Park ranger Erwin brachte mich und die anderen 2 Deutschen so nah wie möglich man mit dem Auto fahren konnte an den Gletscher ran, dann hieß es laufen. Es waren so ungefähr 10 Kilometer und wir wussten, dass wir an einer Landspitze den Fluss überqueren müssen und wir wussten noch mehr, aber wie gesagt: Verdrängung ist auch eine Möglichkeit optimistisch zu sein.
Es war ein schöner Weg, der immer durch das flache, ehemalige Gletscherbecken führte. Da bekam man so ein richtiges Gefühl von Weite und Verlassenheit. Weit und breit Nichts, nur 3 kleine Gestalten, die sich Schritt für Schritt dem Gletscher näherten. Endlich an der Landspitze angekommen krämpelten wir unsere Hosen hoch und nach kurzer Überwindung stiegen wir samt Schuhen in den Fluss und durchquerten die ersten Arme. Wir blieben optimistisch und wurder es immer mehr, je mehr Flussarme wir durchquerten. Das Wasser war eiskalt und wurde immer lauter. Mit der Zeit wich der Optimismus und das verdrängte Wissen kämpfte sich immer mehr in den Vordergrund. Das Wissen, dass der Fluss nach Regen sich in ein toßendes braunes Monster verwandelt und uns den Weg zum Gletscher nicht gewährt. Mit jedem Schritt sahen wir das braune Monster mehr und mehr, es schlängelte sich mit ohrenbetäubendem Rauschen durch das Tal. Wir wollten nicht aufgeben und versuchten es an mehreren Stellen fast 1 ½ Stunden lang. Nach einem blauem Arm, aufgeschrammten Schienbeinen und blauen Zehen gaben wir dann schließlich auf. Aber noch nicht ganz. Wir liefen auf unserer Flussseite noch soweit wir konnten um dem Gletscher näher zu kommen. Dann machten wir erst einmal eine Pause und versuchten unsere Füße aufzuwärmen. Leider zeigte sich das liebe Patagonien mal wieder von seiner typischen Seite und schenkte uns einen Sturm, gegen den wir auf dem Rückweg ankämpfen durften. Zu guter Letzt hatte Erwin uns dann auch noch vergessen (oder hatte keine Zeit) und wir sind den ganzen Weg mit unseren nassen Füßen zurückgelaufen. Insgesamt sind wir so 27 Kilometer gelaufen. Dennoch war der Tag gelungen, allein durch diese verlassenen und abgelegenen Gebiete zu laufen machte diesen Tag zu einem ganz besonderem. Er wurde sogar noch besonderer, da wir Douglas Tompkins noch kennen lernen durften^^ 



Dienstag, 13. November 2012

Hallo ihr Lieben,

inzwischen hat sich hier einiges getan. Der Regen hat sich aufgelöst und die Wolken haben sich verzogen und der Sonne Platz gemacht. Sobald die Sonne einmal freien Weg hat schickt sie Wärme und Hitze. Dank dem Ozonloch sind wir laufend am eincremen und nicht mit 20 oder 30, nein mit 50. Wie wunderbar und zu einem weißem Gesicht kommt dann noch ein unglaublich stylischer Hut. So haben wir nun also die Regenhosen gegen die Sonnenbrille und das Top eingetauscht. Kaum hab ich den Regen verflucht schon wünsch ich ihn mir wieder. Es ist so ein wechselspiel zwischen Hitze, Regen und Wind. Aber das ist eben Patagonien^^

Am Wochenende hab ich es endlich auf den Vulkan Chaiten geschafft. Gestartet sind wir morgens um 11 am Rande der Careterra Austral. Es gibt einen Weg auf den Vulkan, der vom ebenfalls vom Pumalin Park angelegt wurde. Der Weg führt einen durch eine tote Landschaft, die gerade so langsam wieder anfängt zu erblühen. Nach 4 Jahren kämpfen sich nun Farne und kleinere Pflanzen durch die Aschedecke. Die ganzen toten Bäume strecken sich gen Sonne, es wirkt als wollten sie auch wieder zum Leben erwecken, nur leider war die Zerstörung zu stark. Für den Weg nach oben brauchten wir 2 Stunden. Zum Teil war es ganz schön anstrengend weil man nur auf der Aschedecke laufen konnte. Es war ein komisches Gefühl, irgendwie war es unglaublich schön aber auf der anderen Seite war es eine Zerstörung. Dennoch ist es eine unglaubliche Landschaft und ich habe selten so etwas schönes gesehen. Oben angekommen, wusste ich nicht was mich erwartet. Als ich dann die letzten Schritte machte, starrte ich plötzlich in ein kilometer großes Loch hinab. Es ging ca. 50 Meter in die Tiefe, überall Asche und Lava. Hinter dem Graben erstreckten sich 2 Dome mit ihren Rauchschwaden und drumherum überall nur tote Bäume oder gar keine mehr. Es war wirklich wunderschön.
Natürlich konnte ich nicht an all den Schönen Steinen einfach nur vorbeilaufen, so wurde also kurzerhand die Fototasche umfunktioniert. Ihr könnt euch also freuen wunderschöne Obsidiane zu begutachten^^

Hier mal ein paar Fotos:




Freitag, 2. November 2012

Es ist eine andere Welt. Die Menschen leben hier noch das einfache Leben, ohne viele Sorgen und Gedanken darüber, was im Rest der Welt so vor sich geht. Es ist nicht wichtig und es kommt auch nicht viel an. Ohne Internet und Telefon konzentriert man sich auf das Hier und Jetzt und nicht auf das, was in Afghanistan oder Amerika so vor sich geht. Ob irgendwelche Kleidung nun krebserregend oder Mülltrennung gut für die Umwelt ist, ist hier nicht sonderlich von Bedeutung.An Müll gibt es hier meist nur den Kompost, der wiederverwertet wird, alles andere wird meist nur verbrannt. So was wie Heizung kennen sie hier nicht, alles läuft nur über Ofen. Der Ofen ist der Mittelpunkt in einem Haus. Dort ist es warm und behaglich, ein kleiner Zufluchtsort. Draußen peitscht der Sturm den Regen durchgehend gegen die Scheiben. Immer mal wieder kämpft sich die Sonne durch die Wolkendecke und bringt Wärme auf die kalten und durchnässten Körper. Schlechtes Wetter gibt es hier nicht, nur schlechte oder zu wenig Kleidung. Wenn eine Regenhose nicht reicht, nimmt man einfach 2 und wenn 2 nicht reichen dann macht man danach eben wieder ein Feuer, wärmt sich auf und trocknet alles.
Die andere Seite dieser Welt aber versucht sich anzupassen und mit dem Tempo der restlichen Welt Schritt zu halten. Im Fernsehen trällert das Online-Shopping, was so unwirklich erscheint in einer Welt ohne Internet und Heizung. Cola ist, wie überall auf der Welt, natürlich auch hier vertreten. Milch gibt es nur in Milchpulver und Motorsensen haben die altmodische Sensen ersetzt. In unserem kleinem 'Ort' gibt es sogar 3 Supermärkte (jeder verkauft einfach irgendwas, z:B. verkauft die Senora de pan einfach nur Brot^^).
In Amarillo ( mein Ort) gibt es ca. 50 Häuser, einen richtigen Supermarkt, einen Baum oben auf dem Berg an dem man Telefonempfang hat, ein altes abgesürtztes Militärflugzeug mitten im Ort, viel Wald, Wiesen, Gletscher, Vulkan und natürlich eine große Wiese, die als Flugplatz dient. Durch den Ort zieht sich die Careterra Austral auf der jede Stunde vielleicht mal ein Auto fährt. Am Straßenrand parken Cheaps neben gesattelten Pferden. Hühner picken Körner neben der Bushaltestelle, an der ab und an sogar mal ein Bus vorbeikommt.
Es ist eine Welt mit Kontrasten, einfach und doch ein Hauch von Moderne. Auch wenn man das Leben einfach nennen mag, ist es nicht einfach. Wie gerne würde ich mal nur die Heizung aufdrehen, anstatt erst draußen Holz zu hacken und dann Feuer zu machen. Wie gerne würde ich einfach mal wieder kurz was im Internet nachschauen oder meinen Lieben schreiben ohne das ich mich erst 20 min durch Wind und Wetter kämpfen muss. Trotz allem ist es aber auch eine Welt, die mir gefällt. Ich weiß, dass ich hier viel dazulernen werden. Man lernt hier zu leben oder vorsichtig gesagt zu überleben.