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Montag, 26. November 2012

Auf der Suche nach verlassenen Schönheiten



Es kommt mir alles eher vor wie ein Film. Verloren im Dschungel auf der Suche nach verlassenen Traumoasen. Nur spiele ich hier die Hauptrolle und alles ist echt. Der heutige Tag war wirklich unglaublich, auch wenn ich jetzt total fertig bin. Wir starteten gemütlich nach dem Frühstück so um 12 und fuhren mit dem Auto bis an die Stelle, wo der Zustieg noch am leichtesten war. Wir liefen über die saftigen Wiesen, schreckten die Vögel auf und genossen die letzten  Sonnenstrahlen. Dann gelangten wir an den Waldrand und sahen eine große, grüne Mauer sich vor uns aufzäumen. Und dann ging es los…
Ich weiß nicht, wie ich das in Worte fassen soll. Es ist einfach so unglaublich schön gewesen, auch wenn man sich nur selten aufrichten kann. Ich weiß jetzt auch, warum die Evolution den Aufrechten Gang erst mit der Entstehung von Savannen hervorgebracht hat, denn im Wald ( also in einem richtigen Wald, nicht sowas wie bei uns in Deutschland) ist der Aufrechte Gang einfach total unnütz. Auf allen Vieren und mit Mancheten ausgerüstet ging es also durch die grüne Mauer. Zu Beginn war es noch etwas lichter und heller, doch je weiter wir in das grüne Etwas vorstießen, desto unglaublicher wurde es. Überall hingen Lianen von den Bäumen, ab und wann verzierten bunte Blumen die Äste und Stämme. Der Boden gepolstert mit grünem Moos und die Ohren verzaubert mit fremden Vogelgesängen.  Von Zeit zu Zeit ging es durch ein Meer von Farnen, dann wieder auf allen Vieren und dann auf umgefallenen Baumstämmen über kleinere Schluchten und Teiche.  Einen etwas kleineren Fluss haben wir auf einem Gewirr von Ästen und Moos überquert. Nur war es leider etwas schwierig, zu sagen wo jetzt wirklich auch Äste darunter sind und wo nur Moos ist. Unter einem das Rauschen des Flusses und unter den Füßen nur ein Geflecht aus dünnen Ästchen. Ich war froh, nachdem ich mehrmals Moos und Ast verwechselt hatte und durchgebrochen war, endlich auf der anderen Seite mich an Lianen an das rettende Ufer ziehen zu können. Wir kletterten also weiter über die Baumstämme und durch die Büsche, bis wir endlich den Fluss erreichten. Von hier an hieß es ‚nur‘ noch dem Fluss zu folgen. Eigentlich dachten wir, dass wir bestimmt einer der wenigen Leute sind, die das hier je gesehen hatten und so waren wir dann doch sehr überrascht, als wir plötzlich auf so etwas wie ein Pfad stießen. Er war schon sehr zugewuchert aber es war eindeutig Macheten Spuren überall zu erkennen. Von hier an ging es dann etwas leichter voran. Mit der Zeit wurde dann das Rauschen immer lauter. Als wir uns dann nach ca. 1 ½ Stunden endlich wieder aufrichten konnten staunten wir nicht schlecht. Wir hatten den Wasserfall gefunden. Und was für einen! Vor uns erstreckte sich ein großes Loch im Boden, in dieses das Wasser hinabstürzte. Ich war wirklich etwas sprachlos, ich hatte mir einfach so einen ganz normalen Wasserfall vorgestellt, aber das hier war schon ziemlich abgefahren. Unglaublich war auch, dass wir auch hier weitere Überreste von einem Weg fanden, die Steilhänge  waren mit Holzäunen abgesichert. Das war wirklich komisch, so verlassen und abgelegen und doch schon wieder Menschen. Aber ich mag das gerne, mir dazu die Geschichten zu überlegen, wer wohl hier war und wer das hier gebaut hat. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass in den 1960 er Jahren die Leute hier einen Weg durchgeschlagen hatten, um mit ihren Pferden ins nächste Dorf zu gelangen.  Nachdem wir einige Zeit am Wasserfall verbracht hatten, hatten wir beschlossen diesem Pfad noch etwas zu folgen um zu sehen, wo er wohl hinführt. Aus diesem etwas folgen wurden dann weitere 4 Stunden in denen wir uns durchs Unterholz kämpften. Am Anfang war der Pfad richtig gut aber mit der Zeit wurde er immer dichter. Nur irgendwann hatten wir nicht mehr das Ziel umkehren sondern wollten auf einen Weg, den wir kannten, weil wir dachten es sei näher. Na ja war es wohl nicht aber das wussten wir eben auch nicht so genau, denn sich im einem Wirrwarr aus Geäst zu orientieren ist nicht gerade leicht. Irgendwann waren wir richtig müde und unsere Füße, Arme und Gesichter waren schrecklich zerkratzt. Vor allem auch weil wir des Öfteren mit den Füßen durch das Geäst gebrochen sind.  Irgendwie hatten wir dann auch den Weg verloren und kämpften uns wieder etwas orientierungslos durch das Unterholz. Immer wieder vor und zurück auf der Suche nach einem Durchkommen. Es ging wieder durch die Büsche, Farne, an Baumstämmen hoch und runter  und über Schluchten.  Irgendwann gelangten wir dann an eine größere Schlucht und ließen schon die Köpfe sinken, denn dies hätte einen langen Umweg bedeutet, als wir eine Brücke erblickten. Wir staunten wieder nicht schlecht! Wir hatten also den Weg wieder gefunden! Nach einer kurzen Inspektion erklärten wir die Brücke für stabil. Sie war aus Holz und hatte sogar auf einer Seite ein Geländer. Sie sah nicht so aus, als wäre sie sehr alt (wir haben dann auch erfahren, dass vor ca. 10 Jahren ein paar Leute versucht hatten den Weg zu restaurieren). So ganz sicher waren wir uns aber nicht, denn es gab nur einen Pfosten in der Mitte und dieser war überwuchert mit Moos. Einer nach dem anderen wagte sich über die Brücke und sie war wirklich stabil und hat gehalten. Die Brücke hatte unsere Gemüter ein wenig aufgeheitert und ließ uns optimistisch weiterlaufen. Doch es wurde immer schlimmer. Wir verloren wieder den Pfad und auf ein Neues ging es Stunde über Stunde durch das Unterholz. Während ich mich da so durch das Gemüse kämpfte musste ich an die Erzählungen von meiner Oma und meinem Opa denken. Mein Opa war früher viel in Kanada in den Wäldern unterwegs. Auf einer Reise wurde er von meiner Oma begleitet. Als mein Opa sie fragte, was sie dann denn ganzen Tag da im Wald machen will, während er jagt, sagte sie: „ Ach ich werde ein wenig spazieren gehen und mir die Wälder anschauen“. Daraufhin meinte mein Opa nur, dass man in diesen Wäldern nicht spazieren gehen kann. Dort kann man nur sich Meter für Meter vorwärts kämpfen. Und genau das tat ich.
Als wir dann endlich auf bekanntes Terrain stießen war ich doch heilfroh. Total fertig schüttelte ich dannl den halben Wald aus Schuhen und Klamotten und wir machten uns auf den Weg zum Auto (1 Stunde). Insgesamt hatte uns der Wald 5 Stunden lang verschluckt und danach wieder in die Zivilisation ausgespuckt.  Es ist ein tolles Gefühl verschluckt zu werden.
 



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